Köln bei Regen: Bloß nicht unterkriegen lassen
Tach,
Wenn man an Köln denkt, hat man meist Bilder von Karneval, Sonnenschein am Rhein und vollen Biergärten im Kopf.
Das Rheinland kann aber auch ganz schön grau sein. Als ich anfing, regelmäßig nach Köln zu fahren, dachte ich erst, bei Regen fällt die sprichwörtliche rheinische Frohnatur ins Wasser. Von wegen. Ich hab schnell gelernt, dass sich der Kölner die Laune nicht vom Wetter verderben lässt. Das sollten Sie auch nicht tun. Köln hat bei Regen so'n ganz speziellen Charme. Man rückt in den Kneipen enger zusammen. Die Stadt wirkt einfach nicht mehr so hektisch. Hier sind meine persönlichen Tipps, wie ich graue Tage in der Domstadt verbringe, ohne schlechte Laune zu bekommen.
Kölner Dom und Schatzkammer
Klar, der Dom muss sein, auch wenn der Eintritt nun 12 EUR kostet. Das Problem dabei ist nur, dass bei Regen alle rein und wieder raus rennen. Nehmen Sie sich ruhig auch Zeit für die Details. Das Licht durch das Richter-Fenster mit seinen 11000 Quadraten in 72 Farben z.B. sieht bei grauem Himmel geradezu mystisch aus.
Wenn Sie wirklich abtauchen wollen, gehen Sie in die Domschatzkammer oder zu den Ausgrabungen unter dem Dom. Da unten ist es totenstill und trocken. Man wandert quasi durch die Jahrhunderte. Ein perfektes Versteck vor dem Wetter.
Museum Ludwig
Direkt hinterm Dom wird es im Museum Ludwig richtig farbig. Selbst wenn Sie kein großer Kunst-Nerd sind, knallt die riesige Pop-Art-Sammlung so schön bunt, dass man den grauen Himmel sofort vergisst. Wir haben und da schon stundenlang vor den großen Picasso-Gemälden verloren. Die Architektur ist weitläufig und es hallt nicht so. Einfach ein sehr entspannter Ort.
Schokoladenmuseum
Es ist touristisch, das stimmt. Bei nasskaltem Wind gibt es aber kaum was Besseres als den Schokoladenbrunnen dort. Man riecht die Schokolade schon im Eingangsbereich. Wir gehen da nicht unbedingt hin, um alle Texte zu lesen. Wir gönnen uns lieber im Café ein riesiges Stück Schokoladentorte mit Rheinblick. Man sitzt warm hinter Glas und sieht den Schiffen zu, wie sie gegen die Strömung kämpfen. Ein wirklich schöner Ort zum Entspannen.
Brauhaus Päffgen oder Malzmühle
Das ist für mich der Inbegriff von Köln bei Regen. Suchen Sie sich ein traditionelles Brauhaus. Ich mag das Päffgen an der Friesenstraße oder die Malzmühle am Heumarkt. Quetschen Sie sich an einen der Holztische und warten Sie einfach, bis der Köbes Ihnen ungefragt ein Kölsch hinstellt.
Es ist laut, es ist warm, es riecht nach Braten und Bier. Das Wetter draußen ist völlig egal. Hier kommen Sie mit den Leuten am Tisch ins Gespräch, ob Sie wollen oder nicht.
Claudius Therme
Wenn uns das Stadtleben zu stressig wird, flüchten wir in die Claudius Therme im Rheinpark. Das Tolle ist, man liegt im warmen Außenbecken und der Dampf steigt auf. Dabei hat man diesen perfekten Blick auf den Dom am anderen Rheinufer. Wenn einem kalte Regentropfen auf die Nase fallen, fühlt sich das Wasser gleich noch wärmer an.
TimeRide am Alten Markt
Das haben wir erst beim letzten Besuch entdeckt und wir waren echt baff. Am Alten Markt gibt es den TimeRide. Man setzt sich in eine nachgebaute alte Straßenbahn und kriegt eine VR-Brille auf. Dann fährt man durch das Köln um 1900. Man kann sich umschauen und sieht, wie die Stadt vor den Zerstörungen aussah. Da man eh drinnen sitzt, ist das eine gute Alternative zur nassen Stadtführung.
Farina Duftmuseum
Viele denken bei Köln an 4711. Die echten Insider wissen aber, dass das wahre Wasser von Farina kommt. Das Duftmuseum gegenüber vom Rathaus ist sehr klein. Man lernt dort, wie Parfüm früher hergestellt wurde. Eine sehr sinnliche Erfahrung. Außerdem riechen Sie danach definitiv besser als nasser Asphalt.
Belgisches Viertel
Vergessen Sie die überfüllte Hohe Straße. Wenn es regnet, verziehen wir uns ins Belgische Viertel rund um den Brüsseler Platz. Hier gibt es unzählige kleine Boutiquen und Plattenläden, in die man schnell reinspringen kann. Dazwischen empfiehlt sich eine Runde Café-Hopping. Mein Favorit ist das Salon Schmitz. Da kann man herrlich Leute beobachten, die draußen mit ihren Schirmen kämpfen, während man selbst am Cappuccino nippt.
EL-DE Haus
Ein ernster Tipp, der sich aber lohnt. Das NS-Dokumentationszentrum im EL-DE Haus geht unter die Haut. Hier war die Gestapo-Zentrale und man kann die alten Gefängniszellen im Keller besichtigen. Dort sind noch Inschriften der Häftlinge an den Wänden zu sehen. Das ist bedrückend, aber unheimlich wichtig. Wegen der Ernsthaftigkeit des Themas sollten Sie sich Zeit und Ruhe nehmen. Das ist an einem Regentag oft einfacher.
Kolumba Museum
Das Kunstmuseum des Erzbistums ist architektonisch ein echtes Meisterwerk von Peter Zumthor. Es wurde direkt auf Ruinen gebaut. Drinnen ist es unglaublich ruhig, minimalistisch und hell. Selbst wenn es draußen stürmt, strahlt dieser Ort eine enorme Ruhe aus. Für uns einer der schönsten Innenräume in Köln.
Die Flora
Köln hat auch einen Ort für Tropen-Fans. Die Gewächshäuser in der Flora. Das wunderschöne Palmenhaus wurde saniert. Man spaziert zwischen exotischen Pflanzen hindurch und es ist warm und feucht. Ein perfekter Kurzurlaub, wenn einem der Nieselregen auf die Nerven geht. Der Eintritt in den Park ist sogar frei.
Metropolis oder Cinenova
Wenn gar nix mehr geht, hilft das Kino. Das Metropolis am Ebertplatz zeigt viele Filme in Originalfassung, was uns sehr gut gefällt. Oder Sie gehen ins Cinenova in Ehrenfeld. Das ist ein Arthouse-Kino mit sehr gemütlicher Atmosphäre und einem guten Restaurant dabei, in dem wir immer wieder gern einkehren. Kein Vergleich zu unpersönlichen Riesen-Kinosälen.
Fazit
Am Ende des Tages ist Köln vielleicht architektonisch nicht fehlerfrei. Die Stadt hat aber ein riesiges Herz, das auch bei Regen schlägt. Schließen Sie sich also nicht im Hotelzimmer ein. Gehen Sie raus, trinken Sie ein Kölsch und nehmen Sie es wie die Kölner. „Et kütt wie et kütt.“
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Haben Sie noch einen persönlichen Lieblingsort in Köln, wenn das Wetter einmal nicht mitspielt? Schreiben Sie Ihre persönlichen Tipps einfach in die Kommentare.
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